Junge oder Mädchen – wie das Geschlecht beeinflussbar ist
Zuletzt aktualisiert am
Wann wird es ein Mädchen, wann ein Junge? Diese Frage beschäftigt viele Paare mit Kinderwunsch – und rund um das Thema kursieren unzählige Tipps: der richtige Zeitpunkt, die richtige Stellung, die richtige Ernährung. Wir stellen dir die bekanntesten Theorien vor und ordnen ehrlich ein, was die Forschung dazu sagt.
Wer bestimmt das Geschlecht des Babys?
Das Geschlecht entscheidet sich im Moment der Befruchtung, und zwar durch das Spermium: Die Eizelle trägt immer ein X-Chromosom. Trifft sie auf ein Spermium mit X-Chromosom, wird es ein Mädchen (XX), bei einem Spermium mit Y-Chromosom ein Junge (XY). Auf natürliche Weise liegt die Chance für jedes Geschlecht ungefähr bei 50 Prozent; geboren werden weltweit etwas mehr Jungen als Mädchen, etwa 105 Jungen auf 100 Mädchen.
Theorie 1: Der Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs (Shettles-Methode)
Die bekannteste Methode geht auf den amerikanischen Arzt Landrum B. Shettles zurück, der sie zusammen mit dem Journalisten David M. Rorvik populär machte. Die Idee: Spermien mit Y-Chromosom (Junge) seien schneller, aber kurzlebiger, Spermien mit X-Chromosom (Mädchen) langsamer, aber widerstandsfähiger. Daraus leitet die Methode ab:
- Mädchen: Sex zwei bis vier Tage vor dem Eisprung, danach nicht mehr. Bis zum Eisprung sollen vor allem die langlebigeren X-Spermien übrig bleiben.
- Junge: Sex möglichst kurz vor oder am Tag des Eisprungs, damit die schnelleren Y-Spermien zuerst ankommen.
Was die Forschung sagt: Die angenommenen Unterschiede zwischen X- und Y-Spermien ließen sich in Untersuchungen nicht verlässlich bestätigen. Eine große Studie im New England Journal of Medicine (1995), die den Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs im Verhältnis zum Eisprung genau erfasste, fand keinen Zusammenhang mit dem Geschlecht des Kindes.
Theorie 2: Orgasmus, Häufigkeit und Stellung
Nach derselben Denkschule soll ein alkalisches Scheidenmilieu Jungen begünstigen, ein saures Mädchen. Daraus entstanden Tipps wie: Kommt die Frau vor dem Mann zum Höhepunkt, werde es eher ein Junge; tiefes Eindringen (etwa von hinten) begünstige Jungen, die Missionarsstellung Mädchen; Enthaltsamkeit einige Tage vorher erhöhe die Chance auf einen Jungen, häufiger Sex die auf ein Mädchen.
Was die Forschung sagt: Für keinen dieser Tipps gibt es belastbare Belege. Sie sind harmlos, solange sie den Spaß nicht verderben – verlassen solltest du dich darauf aber nicht.
Theorie 3: Ernährung vor der Schwangerschaft
Eine britische Studie mit rund 740 Schwangeren berichtete 2008, dass Frauen, die vor der Empfängnis mehr Kalorien zu sich nahmen, etwas häufiger einen Jungen bekamen. Auch Ernährungspläne mit viel Kalium (für Jungen) oder viel Calcium und Magnesium (für Mädchen) werden immer wieder empfohlen.
Was die Forschung sagt: Die Studie wurde von anderen Wissenschaftlern wegen ihrer Auswertung kritisiert, der Effekt gilt als nicht gesichert. Für gezielte „Jungen-“ oder „Mädchen-Diäten“ gibt es keine Belege. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Folsäure sind bei Kinderwunsch dagegen in jedem Fall sinnvoll.
Theorie 4: Partnerschaft und Lebensumstände
Große Bevölkerungsstatistiken zeigen kleine Unterschiede: In einer US-Untersuchung mit Daten von über 60.000 Familien bekamen Paare in fester Partnerschaft etwas häufiger Söhne. Andere Auswertungen deuten darauf hin, dass in Krisenzeiten und unter starker Belastung anteilig etwas mehr Mädchen geboren werden.
Was die Forschung sagt: Solche Effekte sind statistisch und betreffen das Verhältnis in großen Gruppen um wenige Prozentpunkte. Für ein einzelnes Paar lässt sich daraus nichts planen.
Theorie 5: Mondkalender und chinesischer Empfängniskalender
Verschiedene Kalender versprechen, anhand von Mondphasen oder dem Alter der Mutter das Geschlecht vorherzusagen oder den „richtigen“ Zeugungstag zu finden.
Was die Forschung sagt: Überprüfungen konnten keine Trefferquote über dem Zufall zeigen.
Und Rauchen?
Einzelne Studien haben Zusammenhänge zwischen Rauchen und dem Geschlechterverhältnis untersucht, mit widersprüchlichen Ergebnissen. Eindeutig ist dagegen: Rauchen verringert die Fruchtbarkeit von Frau und Mann und schadet dem ungeborenen Kind. Bei Kinderwunsch lohnt sich der Rauchstopp – für beide Partner.
Fazit: Das Geschlecht lässt sich nicht planen
Ob Junge oder Mädchen, lässt sich auf natürlichem Weg nicht zuverlässig beeinflussen. Was du beeinflussen kannst, ist die Chance auf eine Schwangerschaft überhaupt: Am fruchtbarsten sind die Tage kurz vor und am Eisprung. Wer seinen Zyklus kennt und in diesem Zeitraum regelmäßig Sex hat, erhöht die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden – egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.
Ob es geklappt hat, zeigt dir ein Schwangerschafts-Frühtest bereits einige Tage vor dem Ausbleiben der Periode.