Helicobacter Pylori: Magenkeim mit skurrilen Wirkungen und großer Gefahr

Helicobacter Pylori: Magenkeim mit skurrilen Wirkungen und großer Gefahr

Heli C Bakterien, oder auch Bierhefe im Stuhl, kann zu den wundersamsten Auswirkungen führen. Bierhefe - worauf speziell der lateinische Fachbegriff hindeutet - wird sowohl zum Backen als auch für den Gärprozess beim Bierbrauen verwendet. Doch kann der Pilz im Darm eines Patienten auch an Alkoholproblemen schuld sein.

Im April 2010 wird ein Mann aus den USA für 24 Stunden im Krankenhaus überwacht. Bei der Aufnahme überprüfen die Ärzte seine Habseligkeiten auf Alkohol, während seines Aufenthalts darf er keine Besucher empfangen. Er bekommt den ganzen Tag über Traubenzucker und zuckerreiche Lebensmittel, denn Zucker wäre genau das, was die Hefe bräuchte, um Alkohol produzieren zu können. Zu Beginn des Experiments und alle zwei Stunden ermitteln die Ärzte die Blutalkoholkonzentration, alle vier Stunden auch den Blutzuckerspiegel.

Texanische Behördenvertreter überprüfen zusätzlich den Atemalkoholgehalt des Mannes. Am Nachmittag steigt der Blutalkoholgehalt auf 120 Milligramm Alkohol pro Deziliter (mg/dL), das Atemanalysegerät zeigt 1,2 Promille an.

Jetzt ist das Behandlungsteam sicher: Sie haben einen Patienten mit dem "Auto-Brewery Syndrome" oder "Gut Fermentation Syndrome" vor sich. Für das, was nach einem schlechten Scherz klingt, findet man tatsächlich einige Dutzend Fallberichte in der medizinischen Literatur, schreibt das Nachrichtenmagazin Spiegel.

Im Körper der Betroffenen soll die sich im Übermaß ausbreitende Hefe Zucker aus der Nahrung zu Ethanol fermentieren. Japanische Autoren haben bereits Anfang der siebziger Jahre über solche Fälle berichtet. In einem Fall war ein 13-jähriges Mädchen betroffen, in einem anderen ein dreijähriges Mädchen, beide litten zudem unter Fehlbildungen des Darms.

Der texanische Patient wird von seinen Ärzten mit dem Pilzmittel Fluconazol behandelt, anschließend mit einem weiteren Antimykotikum, Nystatin. Um die Darmflora wiederherzustellen, bekommt er anschließend Bakterienkulturen. Während der Therapie muss er Zucker vermeiden und darf auch keinen Alkohol trinken. 

Täglich wird sein Atemalkoholgehalt kontrolliert: Zehn Wochen lang zeigt das Gerät durchgehend 0,00 Promille an. Bei der anschließenden Stuhlkontrolle finden die Ärzte keine Hefe mehr. Schließlich behandeln die Ärzte noch den im Magen sitzenden Heilcobacter pylori Keim.

Der ungewöhnliche Krankheitsfall taugt nicht als Ausrede für Volltrunkene. Der texanische Patient konnte nach mehr als sechsjähriger Leidenszeit glaubhaft nachweisen, dass er tatsächlich nicht alkoholabhängig war. Allerdings veranschaulicht der Fall, dass Ärzte und Pflegekräfte auch Patienten mit vermeintlich eindeutigen Diagnosen genau zuhören sollten.

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