Helicobacter: Test bring Klarkeit Wissenschaftler überraschen Mediziner
Helicobacter Pylori – was bitte ist denn das? Die Erkenntnisse der beiden australischen Forscher Dr. Robin Warren und Professor Barry Marshall schlugen Medizinern weltweit zunächst gewaltig auf den Magen: So radikal änderte die Entdeckung der Australier die Vorstellungen von der Ätiologie peptischer Ulcera. Viele Ärzte hatten Schwierigkeiten, die neuen Erkenntnisse zu akzeptieren. Doch die Zeiten ändern sich. Warren und Marshall erhalten den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. Uhd: Heute ist „Heli“ ein anerkanntes Krankheitsphänomen und Schnelltest, die das Bakterium aufspuren, sind sicher und rezeptfrei in jeder Apotheke zu bekommen.
Der unerschütterliche Glaube an die eigene Forschungsleistung und Beharrlichkeit – ohne diese Eigenschaften hätten es die beiden australischen Forscher wohl kaum geschafft, das medizinische Dogma, gastroduodenale Ulcera seien eine Folge von Stress, Rauchen und ungesunder Lebensführung, zu untergraben. »Die Arbeit von Marshall und Warren brachte eine der radikalsten und wichtigsten Wenden der vergangenen 50 Jahre in der Wahrnehmung eines Krankheitsbildes«, schreibt die Nobelpreiskommission. Was war geschehen? Mit der Entdeckung von Helicobacter pylori („Heli“) ist aus der von häufigen Rezidiven gekennzeichneten Ulkus-Krankheit eine Infektionskrankheit geworden, von der die Mehrheit der Betroffenen durch eine einmalige Antibiotika-basierte Therapie geheilt werden kann.
Die Entdeckung, dass es im Magen Bakterien gibt, war nicht neu. Bereits 1906 veröffentlichte die Deutsche Medizinische Wochenschrift den Bericht eines Arztes aus Halberstadt, in dem der Mediziner auf »das Auftreten von Spirochäten verschiedener Formen im Mageninhalt bei Carcinoma ventriculi« hinwies. Diese Beobachtung blieb ebenso unbeachtet wie Ergebnisse aus den 40er-Jahren, in der Harvard-Mediziner erkannten, dass 40 Prozent aller Patienten mit Ulcera und Magenkrebs mit Bakterien infiziert waren. Eine Kultivierung des Auslöserkeims gelang den Forschern allerdings nicht.
Der Pathologe Warren glaubte selbst zunächst an einen Zufall, als er 1979 in einem Präparat, das aus einer Biopsie eines Patienten mit schwerer akuter Gastritis gewonnen worden war, bei näherer Betrachtung gebogene, stabförmige Bakterien ausmachen konnte. Schließlich war gängige Lehrmeinung, dass im Magen wegen des niedrigen pH-Wertes kein Bakterium überleben könne. Zudem war Warren eine Entzündungsreaktion in der Umgebung der Erreger aufgefallen. Vermutlich wäre dieser Beobachtung das gleiche Schicksal widerfahren wie den Ergebnissen in den Jahrzehnten zuvor. Doch der damals 30-jährige Mikrobiologe Barry Marshall vom Royal Perth Hospital begeisterte sich für die Befunde Warrens.