Ursachen der Zöliakie: Wie entsteht eine Glutenunverträglichkeit?

Ursachen der Zöliakie: Wie entsteht eine Glutenunverträglichkeit?

Warum verträgt der eine Gluten problemlos und der andere bekommt Zöliakie? Was passiert dabei im Körper, und ist die Erkrankung vererbbar? Hier erfährst du, wie Zöliakie entsteht, wer besonders häufig betroffen ist und warum sie heute öfter erkannt wird als früher.

Was passiert bei Zöliakie im Körper?

Gluten ist ein Eiweißgemisch in Weizen, Roggen, Gerste und verwandten Getreiden. Ein Teil davon, die sogenannten Gliadine, wird im Darm nicht vollständig abgebaut. Bei Menschen mit Zöliakie lösen diese Bruchstücke eine Fehlreaktion des Immunsystems aus:

  1. Das körpereigene Enzym Gewebstransglutaminase verändert die Gluten-Bruchstücke in der Darmschleimhaut.
  2. Bestimmte Immunzellen erkennen die veränderten Bruchstücke als fremd und lösen eine Entzündung aus.
  3. Der Körper bildet Antikörper gegen die Gewebstransglutaminase – deshalb gilt Zöliakie als Autoimmunerkrankung. Diese Antikörper lassen sich im Blut nachweisen.
  4. Durch die anhaltende Entzündung bilden sich die Darmzotten zurück. Die Oberfläche des Dünndarms schrumpft, Nährstoffe werden schlechter aufgenommen.

Ohne Gluten kommt die Entzündung zum Stillstand, und die Schleimhaut kann sich in Monaten bis wenigen Jahren erholen.

Ist Zöliakie vererbbar?

Ja, die Veranlagung wird vererbt. Fast alle Menschen mit Zöliakie tragen die Erbmerkmale HLA-DQ2 oder HLA-DQ8. Diese Merkmale sind aber weit verbreitet: Rund ein Drittel der Bevölkerung trägt sie, und nur ein kleiner Teil davon erkrankt. Die Gene sind also Voraussetzung, aber nicht alleinige Ursache.

Verwandte ersten Grades von Menschen mit Zöliakie – Eltern, Geschwister und Kinder – erkranken deutlich häufiger als der Durchschnitt, Schätzungen zufolge etwa jeder Zehnte. Für sie ist ein Test auch ohne Beschwerden sinnvoll.

Was löst Zöliakie aus?

Warum die Erkrankung bei manchen Menschen mit Veranlagung ausbricht und bei anderen nicht, ist noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem Magen-Darm-Infekte, die Zusammensetzung der Darmbakterien und hormonelle Umstellungen, etwa in der Schwangerschaft. Zöliakie kann in jedem Alter beginnen, auch bei Menschen, die jahrzehntelang problemlos Gluten gegessen haben.

Wer ist häufiger betroffen?

  • Verwandte von Menschen mit Zöliakie,
  • Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Hashimoto-Thyreoiditis,
  • Menschen mit einem angeborenen IgA-Mangel,
  • Menschen mit Down-, Turner- oder Williams-Beuren-Syndrom.

Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer.

Modeerscheinung oder Volkskrankheit?

Etwa jeder hundertste Mensch in Deutschland hat eine Zöliakie, ein großer Teil davon ohne es zu wissen, weil die Beschwerden oft untypisch sind. Dass heute mehr Fälle bekannt sind, liegt vor allem an besseren Bluttests und einem größeren Bewusstsein für die Erkrankung. Davon zu unterscheiden sind Menschen, die aus Lifestyle-Gründen glutenfrei essen: Für sie gibt es keinen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen.

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Welche Beschwerden typisch sind, liest du im Artikel Zöliakie-Symptome, wie die Diagnose abläuft im Artikel Zöliakie-Test und Diagnose. Einen ersten Hinweis gibt der Zöliakie-Schnelltest für zuhause.

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